Politik & Gesellschaft

Die Politik im Reiseland Argentinien

Nationalkongess mit dem Parlament

Nach der Verfassung von 1994 ist Argentinien eine föderalistische, republikanische Präsidialdemokratie. Der Präsident der Nation („Presidente de la Nación Argentina“) ist Staatsoberhaupt und Regierungschef in Person und hat eine starke Stellung, unter anderem die Möglichkeit per Dekret zu regieren. Er wird gemeinsam mit dem Vizepräsidenten, der ihn bei Abwesenheit vertritt, alle vier Jahre in zwei Wahlgängen direkt gewählt. Die Legislative (Kongress, bestehend aus Abgeordnetenkammer und Senat) wird meist in allen Provinzen zu anderen Zeitpunkten gewählt.

 

Bevölkerung

Mündung des Río de la Plata mit Buenos Aires rechts untenArgentinien hat etwa 43 Mio. Einwohner, wovon ca. 87 % in Städten mit mehr als 2.000 Einwohnern leben. Allein etwa 14 Mio. Menschen entfallen auf den Ballungsraum Gran Buenos Aires, was mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung ist. Hauptstadt ist Buenos Aires und sie bildet gleichzeitig das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes. Weitere bedeutende Städte sind Córdoba (mit 1,4 Mio. Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes), Rosario (1,2 Mio. Einwohner), Mendoza (900.000 Einwohner) und San Miguel de Tucumán (750.000 Einwohner). Die meisten großen Städte Argentiniens, insbesondere Buenos Aires, sind, aufgrund der vielen Einwanderer aus Europa, von ihrem Flair her sehr europäisch. Dagegen wirken die Städte im Norden des Landes eher bunter, chaotischer und auch ärmer.

 

Weite Teile des übrigen Landes sind dagegen sehr dünn besiedelt, so vor allem im trockenen Süden, wo nur etwa ein bis drei Einwohner pro Quadratkilometer leben.

Mehr als 90 % der Bevölkerung stammt von eingewanderten Europäern ab, so etwa 36 % von Italienern, 29 % von Spaniern und 3 – 4 % von Deutschen.

Familie im Norden von Argentinien (CC BY-SA by Adam Jones)Nur eine Minderheit der Argentinier sind Nachkommen von insgesamt 30 Ethnien, die vor dem Eintreffen der Spanier auf dem Landesterritorium lebten. Die Zahl der Indianer wird auf etwa 1 – 1,5 Mio. geschätzt.

Die größten ethnischen Gruppen sind die Kollas in Jujuy und Salta, die Mapuche in Neuquén und Río Negro sowie die Wichi und Toba im Chaco und in Formosa. Nur eine Minderheit der Indianer lebt in ihren angestammten Siedlungsgebieten, viele sind in die Großstädte übergesiedelt.

Alleinige Amtssprache ist in Argentinien Spanisch. Daneben existiert eine Reihe von Minderheitensprachen, die von der indianischen Bevölkerung gesprochen werden. Die argentinische Aussprache des Spanischen unterscheidet sich deutlich von der in Spanien und auch von der in anderen lateinamerikanischen Ländern.


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Soziale Situation

Die soziale Situation des Landes ist in vielerlei Hinsicht durch eine starke Ungleichheit gekennzeichnet. So gibt es ein sehr großes Wohlstandsgefälle zwischen der Ober- und Unterschicht, wobei die ärmsten 40 % nur über 10 % des gesamten Volkseinkommens verfügen.

Aber auch die Unterschiede zwischen den Regionen Argentiniens sind groß. So liegt etwa die Armutsrate in Buenos Aires mit etwa 15 % nur etwas mehr als halb so hoch wie im Landesdurchschnitt (23 %), während sie in der Nordostregion bei 41 % liegt (Stand 2007).

Blick auf Villa 31 zwischen Bahnhof und Bus-Terminal in Buenos AiresDie nördlichen Provinzen, besonders die Provinz Tucumán und der Nordosten (Chaco, Formosa, Santiago del Estero) sind am stärksten von Armut betroffen. Verschärft wird diese Situation durch das schnelle Bevölkerungswachstum in dieser Region. Als relativ reich gelten dagegen die zentralen Provinzen (Buenos Aires, Santa Fe, Córdoba, San Luis und Mendoza), aber auch der äußerste Süden (Santa Cruz und Tierra del Fuego). Allerdings sind es vor allem die reichen Zentralprovinzen, die am stärksten mit städtischer Armut (Entstehung von Elendsvierteln) zu kämpfen haben. Die Zuwanderung aus den ärmeren Nachbarländern Peru, Bolivien und Paraguay, sowie die Binnenwanderung aus abgelegenen Gegenden des Landesinneren, sind immer noch ein großes Problem in den Großstädten, die die Zahl der Slum-Bewohner weiterhin anwachsen lässt.

Während der Argentinien-Krise verschlechterten sich viele Indikatoren der sozialen Situation in kürzester Zeit, insbesonders in den Jahren 2001 und 2002, in denen die Armutsrate auf über 50 % stieg. Ab 2003 normalisierte sich der Wert langsam wieder. Allerdings bleibt die Armutsrate trotz eines Rückgangs weiterhin mit über 20 % deutlich über den Werten der 1990er Jahre. Dabei ist in der am stärksten betroffenen Región Noreste Argentino (Nordostregion) weiterhin fast die Hälfte der Bevölkerung arm.