Chile • Argentinien – Reisebericht einer großen Südamerika-Reise

Unsere Südamerika-Rundreise begannen wir in Chile, dann fuhren wir über die Grenze nach Argentinien und von dort aus nach Brasilien.

Nach 17 Stunden Flug, mit Zwischenlandung in Madrid, landeten wir in der 6 Millionen Metropole Santiago de Chile. Um den Stadtkern herum befinden sich weitere 31 Stadtbezirke, mit jeweils eigenen Verwaltungen und Bürgermeister. Nachdem wir unsere Koffer im Hotelzimmer abgestellt hatten, begannen wir gleich unseren Stadtrundgang. Hauptziel war der Plaza de Armas. Hier befinden sich wichtige Gebäude wie Post, Stadtverwaltung, Kathedrale und Häuser einflussreicher Bürger. Von der Plaza schlenderten wir weiter bis zur Moneda, dem Regierungspalast und dem alten Zollgebäude.

Ein sehr schöner Besichtigungspunkt ist der kleine, grüne Cerro Santa Lucia. Von dort aus hat man einen sehr schönen Blick auf die Stadt. Unterwegs probierten wir in einem kleinen Geschäft frisch gebackene Empanadas (gefüllte Teigtaschen), die waren richtig lecker! Mit dem Bus fuhren wir weiter in den Stadtteil Bellavista, einem beliebten Ausgehviertel in Santiago. Hier posieren Wolkenkratzer vor der Bergkette der Anden, ein malerischer Anblick. Der zentrale Park Santiagos ist der Cerro San Cristobal, die grüne Lunge der Stadt. Auf dem Hügel befinden sich eine Statue der Jungfrau Maria und eine Kirche. Abends unternahmen wir noch einen Stadtbummel.

Am nächsten Morgen fuhren wir nach Valparaiso, eine reizvolle Hafenstadt, die von 45 Hügeln umgeben ist. Ein grün blühendes Band von Mandel- und Orangenbäumen und goldenen Fingerhüten, sie blühen orange, säumen die Landstraßen. Wir machten einen Stopp in Casablanca an einem Weingut. In Valparaiso befindet sich der Sitz des chilenischen Parlaments.

1855 wurde in der Stadt der erste mit Wasserkraft betriebene Aufzug der Stadt errichtet. Heute fahren 30 Zahnradbahnen die Hügel hinauf. Auf dem Cerro Bellavista befindet sich das Pablo Neruda Museum. Die Zimmer sind noch so eingerichtet, wie sie der chilenische Dichter zu Lebzeiten bewohnt hat. Vom Garten aus hat man einen atemberaubenden Blick auf die Stadt und den Hafen. Wir schlenderten in die Stadt hinunter zur Plaza Sotomayor. Hier befindet sich das Hauptquartier der chilenischen Marine. In der Mitte des Platzes befindet sich das Denkmal für die Helden der Seeschlacht von Iquique. Um die Stadt bunter erscheinen zulassen, haben sich Graffitikünstler tausendfach an Häuserwänden verewigt. Unseren Stadtrundgang setzen wir weiter fort zum Cerro Alegre, welcher zum Weltkulturerbe gehört. Die Häuser im Stadtkern wurden mit Hilfe von Fördermitteln der Weltbank restauriert. Wir sahen aber auch viele Häuser, die nach dem schweren Erdbeben im September 2015 große Risse an den Fassaden aufwiesen.

Anschließend fuhren wir weiter in die Gartenstadt Viña del Mar. Aufgrund seines schönen Sandstrandes ist diese Stadt eine der beliebtesten Seebäder in Chile. Eines der wichtigsten Museen Chiles ist das Museo Arqueologico Fonck, es zeigt wunderschönen Silberschmuck der Mapuche und es stellt die Geschichte der Osterinseln dar, man wird vor dem Museum von einem steinernen Moai empfangen. Bei herrlichem Sonnenschein posierten wir anschließend vor der mit bunten Blumen geschmückten Sonnenuhr.

Unsere nächste Station war San Pedro de Atacama. In der grünen Oase leben ca. 3000 Menschen. Wir besuchten das Mondtal und erlebten dort einen malerischen Sonnenuntergang. Eine der faszinierendsten Landschaften in Chile erwartete uns am nächsten Tag: der Atacama-Salzsee. Er erstreckt sich über ca. 3000 km und wird vom Rio San Pedro gespeist. Der See hat jedoch keinen Abfluss und dadurch verdunstet das Wasser. Es setzt sich eine salzige, mit Lehm vermischte Kruste ab, woraus sich kleine, bizarre Türme bilden. Im Süden des Sees werden Borax und Kalium abgebaut. In einzelnen Oasen des Sees leben Flamingos. Anschließend fuhren wir zu den Lagunen von Minique und Miscanti. Von dort aus hat man einen schönen Blick auf die beiden gleichnamigen Vulkane.

Ein außergewöhnliches Naturschauspiel erwartete uns bei den Geysiren von El Tatio. Es sind die höchstgelegenen Geysire der Welt. Schwefelhaltige Dämpfe lagen in der Luft und es entstanden mystische Fotos, als wir durch die Dämpfe gingen. Unser Tourenleiter Alvaro bereitete uns bei den Geysiren ein leckeres Frühstück zu, mit Rührei, Wurst, Käse und Brötchen, dazu gab es Kaffee oder Tee. Nach dem Frühstück setzten wir unsere Fahrt fort und besichtigten ein kleines Dorf und liefen durch eine Gartenanlage mit einer interessanten Bewässerungsanlage, vielen blühenden Bäumen und Blumen.

Wir verabschiedeten uns am nächsten Tag von Alvaro und der kleinen Oase in der Atacama und flogen nach Patagonien.

In Puerto Varas erwartete uns unsere Tourenleiterin Henriette.

Auf der Fahrt zum Hotel sahen wir blühende Kirsch- und Apfelbäume und Ginster – wir sind im Frühling angekommen. Weiterhin gibt es dort auch wie bei uns Birken, Linden, Eichen, Kastanien und Ahorn, welche von deutschen Einwanderern mitgebracht wurden.

Unser Hotel liegt am Ufer des Llanquihue-Sees mit Blick auf den Vulkan Calbuco, der einige Wochen vor unserer Reise ausgebrochen war. Bei unserem Spaziergang durch den Park Lahuen Nadi konnten wir hohe Ascheberge fotografieren. Die Stadt war nicht betroffen, der Wind hatte die Asche nach Argentinien geblasen.

Wir besuchten danach die Hafenstadt Puerto Montt. Die Menschen leben dort hauptsächlich von der Lachszucht und vom Tourismus. Geschäftiges Treiben herrschte auf dem Fischmarkt und wir bestaunten die riesengroßen Lachsstücke. Mit den Fischabfällen wurden dann die Seelöwen gefüttert, ein interessantes Schauspiel, da auch noch Hunde versuchten, etwas vom Futter abzubekommen. Unser Fahrer brachte uns an einen Aussichtspunkt oberhalb der Stadt. Von dort aus hatten wir einen atemberaubenden Rundblick auf die Stadt und die Berge, welche mit gelb blühendem Ginster bewachsen sind. Für uns ein tolles Fotomotiv, für die Einheimischen eine „Ginsterplage“.

Am nächsten Morgen fuhren wir zum Vulkan Osorno, bis auf eine Höhe von 1200 m und wanderten dann bis an den Kraterrand in 2652 m. Bei den Petrohue-Wasserfällen stoppten wir und unternahmen eine Wanderung durch den 250.000 Hektar großen Nationalpark Petrohue. Besonders der rot blühende Feuerbaum zog unsere Blicke auf sich.

Unsere Reise durch Patagonien setzten wir am fast südlichsten Zipfel der Welt, in Punta Arenas fort. Dort erwarteten uns stürmische Tage, denn es weht ständig Wind. Der Winter ist mit Temperaturen von plus 3 Grad bis minus 3 Grad sehr mild.

Auf der Plaza de Armas befinden sich das Rathaus, der Sitz des Gouverneurs und die Kathedrale. In der Mitte des Platzes steht eine große Bronzestatue, die Magellan darstellt. Er läuft über zwei Indianer hinweg – ein symbolischer Akt für die Unterdrückung.

Anschließend statteten wir dem sehenswerten und interessanten Friedhof von Punta Arenas, welcher zum Nationaldenkmal ernannt wurde, einen Besuch ab. Grüne, säulenförmig geschnittene Zypressen säumen lange Alleen. In einer Gemeinschaftsanlage befinden sich Gräber von deutschen Einwanderern. Ihre Gräber sind eher schlicht gehalten, im Gegensatz zu den Monumenten reicher Bürger aus der Gründerzeit. Marmor wurde hier tonnenweise verarbeitet.

Die nächste Etappe führte uns in den Torres del Paine NP.

Der Nationalpark umfasst eine Fläche von 240.000 Hektar. Im Park befinden sich viele kleine, türkisfarben schillernde Gletscherseen. Wir kamen an einen See, auf dem weiß-blaue Eisblöcke vom Grey-Gletscher schwammen. Unsere Wege kreuzten Herden von Guanakos und kleine Füchse schauten zaghaft hinter rotblühenden Büschen hervor. Die Spitzen der drei höchsten Gipfel zeigten sich uns nur nebelverhüllt. Zum Abschluss der Tour fuhren wir noch zu den Kaskaden. Eingehüllt in das Bergmassiv des Torres del Paine stürzt das Wasser des Rio Paine in die Schlucht hinab. Ein faszinierender Anblick.

Einer der schönsten Ausflüge führte uns am nächsten Tag zur Isla Magdalena, auf der Magellanpinguine leben. Diese kleinen possierlichen Tiere watschelten sogar auf dem Weg vor unseren Füßen herum, sie sind nicht scheu. Ihre Größe beträgt zwischen 50 und 70 Zentimeter und sie werden bis zu vier Kilogramm schwer. Die Pinguine brüten in Höhlen, dabei wechseln sie sich ab. Die Höhlen waren fast alle belegt. Nach ca. 40 Tagen schlüpfen die Jungen und nach etwa 30 Tagen können sie ihre Höhle verlassen.

Ein ereignisreicher Tag ging zu Ende und wir verabschiedeten uns von Chile und setzten unsere Reise nach Argentinien fort. Per Linienbus fuhren wir von Punta Arenas in Chile über die Grenze nach Argentinien.

Von El Calafate aus begannen wir am nächsten Morgen unsere Tour zum Perito-Moreno-Gletscher. Dieser Gletscher gehört zu den wenigen auf der Welt, die noch wachsen. Aus Schnee entsteht ein Eisstrom, welcher durch Temperaturschwankungen mal gefriert und dann wieder taut und so in Bewegung gerät. Dieses gepresste Eis fließt dann langsam ins Tal und bildet eine Gletscherzunge. An dieser beginnt der Gletscher zu „kalben“, es brechen Teilstücke ab und fallen ins Wasser.

Der Perito-Moreno-Gletscher fließt jedoch schneller hinunter, als er abtaut, dadurch schiebt er das Eis an die Peninsula Magallanes und versperrt dadurch einen Teil des Lago Argentino. Es bildet sich eine Staumauer und irgendwann wird der Druck so groß, dass mit einem explosionsartigen Knall ein Durchbruch entsteht. Unsere Reiseleiterin erzählte uns, dass das im Jahr 2008 und 2012 zum letzten Mal geschah. Profifotografen liegen dann im wahrsten Sinne des Wortes auf der Lauer, um dieses Ereignis filmen zu können. Mit einem Boot fuhren wir bis auf wenige Meter an den Gletscher heran und konnte das Kalben vom Wasser aus beobachten. Unsere Blicke hingen wie gefesselt an dem weiß-blau schimmernden Eis und alle warteten gespannt auf das nächste Grollen des Gletschers, mit dem jeweils ein Abbruch entstand. Von der Landschaft im Nationalpark waren wir verzaubert, rot blühende Feuerbäume und viele bunte Vögel gab es zu bestaunen und zu fotografieren.

Unser nächstes Etappenziel war Buenos Aires, die Hauptstadt Argentiniens. Das Hotel befindet sich im Stadtviertel San Telmo, in diesem Künstlerviertel pulsiert das Leben. Viele Kneipen, Bars und eine große Markthalle bilden den zentralen Platz des Stadtviertels. Sonntags gibt es einen Markt in den Querstraßen bis zum Marktplatz mit vielen Antiquitäten, Trödel, Schmuck, bunten Tüchern und 1000 andere Dinge. Bei unserer Stadtrundfahrt besuchten wir noch die Stadtteile La Boca, den Hafen, den Rosengarten mit seinen wohlriechenden, blühenden Rosen und den bekannten Friedhof La Recoleta. Dort ist die Grabstätte der Familie von Eva Duarte de Peron, der zweiten Frau des Präsidenten Juan Peron. Sie zeigte Sympathie für die Armen und kämpfte besonders für die Frauenrechte. Leider starb sie 1952 im Alter von 33 Jahren an Krebs. Noch heute legen viele Menschen Blumen an ihrem Grab nieder.

Am nächsten Morgen unternahmen wir eine Bootsfahrt ins Tigre-Delta. Dieses Delta mit den Flussarmen des Rio Parana ist das Erholungsgebiet der wohlbetuchten Argentinier, welche sich am Wochenende in ihre sehr schönen, hübsch anzusehenden Häuser zurückziehen, um sich vom Arbeitsalltag zu erholen. Auf den Inseln zwischen den Kanälen wachsen subtropische Pflanzen, Bäume und Palmen. Auf den Picknick- und Campingplätzen herrschte lebhaftes Treiben, die Menschen winkten uns beim Vorbeifahren freundlich zu.

Ein freier Tag, wo wir etwas auf eigene Faust unternehmen konnten, stand am nächsten Tag auf dem Programm. Von unserem Hotel aus schlenderten wir zur Plaza de la Republica, in der Nähe steht ein riesiger Obelisk, das Wahrzeichen der Hauptstadt. Linker Hand sahen wir am Gebäude des Gesundheits- und Sozialministeriums das stilisierte Abbild von Eva Peron, sie wird in Argentinien noch sehr verehrt. In einem kleinen, gemütlichen Restaurant genossen wir ein großes argentinisches Steak und gingen dann weiter zum Regierungspalast Casa Rosada. Dieser wurde auf den Resten der alten Stadtmauer errichtet. An der Plaza de Mayo sahen wir die Nationalbank und die Kathedrale. Im rechten Seitenschiff befindet sich das Grab des Generals Jose de San Martin, der Nationalheld baute ein großes Heer auf kämpfte gegen die Spanier für die Unabhängigkeit Argentiniens. Im Café Tortoni in der Avenue de Mayo Nr. 825 tranken wir einen Kaffee und aßen dazu ein sehr leckeres Stück Käsekuchen mit Heidelbeeren. Das Café wurde 1858 eingeweiht, 1898 wurde die Fassade erneuert. Ab dem späten Nachmittag finden hier Tango-Shows statt. Berühmte Gäste waren schon Albert Einstein, Hillary Clinton und der ehemalige spanische König Juan Carlos. In Buenos Aires lebt seit 1988 Nicole Nau, eine deutsche Tangotänzerin, die mittlerweile eine der besten Tänzerinnen der Welt ist. Gemeinsam mit ihrem Mann tourt sie mit ihrer Show auch durch Deutschland.

Ein sehr schöner Tag neigt sich dem Ende zu, genau wie unsere Rundreise in Chile und Argentinien.

Wir fliegen weiter nach Brasilien, erst zu den Iguazu-Wasserfällen und dann in die Hauptstadt Rio de Janeiro.

Wir möchten uns recht herzlich bei Herrn Leistner von DIAMIR Erlebnisreisen bedanken. Er hat eine interessante Reise mit vielen Sehenswürdigkeiten zusammengestellt, an der wir uns noch sehr lange erfreuen können, wenn wir die Fotos anschauen.

Autor: Helga und Karl-Georg Becker